Direkt zum Inhalt
Menü

Kinderstuben – Von der Dortmunder Nordstadt über das Ruhrgebiet ins Land NRW

Entwicklung, Umsetzung, Erweiterung und Transfer eines erfolgreichen Konzeptes zur frühkindlichen Förderung

Inhaltsverzeichnis
Kapitel 0

Kurz und knapp

Die Erfolgsgeschichte der Kinderstuben

Kinderstuben sind wohnortnahe Großtagespflegestellen für Kinder im Alter zwischen einem Jahr und vier Jahren. Drei Tagespflegepersonen betreuen bis zu neun Kinder. Dieser gute Betreuungsschlüssel ermöglicht es, auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Deren Eltern werden verbindlich über Einzelberatungs- und Gruppenangebote in die pädagogische Arbeit einbezogen. In der Regel besuchen Kinder die Kinderstube für ein Jahr, danach besteht Anspruch auf einen Platz in einer kooperierenden Kindertageseinrichtung im regulären Bildungssystem.

Die erste Kinderstube wurde 2008 in der Dortmunder Nordstadt eröffnet. Seit 2014 transferiert und etabliert RuhrFutur das Modell im Ruhrgebiet.

Gegenwärtig gibt es in der Metropole Ruhr 21 Kinderstuben. 190 Kinder werden betreut, individuell gefördert und auf den Übergang in die Kita vorbereitet.

Transfer in Nordrhein-Westfalen

Seit 2020 fördert die Auridis Stiftung den NRW-weiten Transfer der Kinderstuben. Im Rahmen dieses Transfers werden interessierte Kommunen in Nordrhein-Westfalen bei der Etablierung von Kinderstuben beraten, die Vernetzung zwischen den Standorten sowie die Qualitätsentwicklung und Sicherung der Nachhaltigkeit sichergestellt.

Das gemeinsame Ziel von Auridis Stiftung und RuhrFutur ist es, die Kinderstuben als frühkindliches Bildungsangebot in Nordrhein-Westfalen zu verankern, um allen Kindern einen gelingenden Einstieg in das reguläre Bildungssystem zu ermöglichen.

Sie möchten in Ihrer Kommune eine Kinderstube aufbauen? Wenden Sie sich bitte an Meryem Sönmez, Projektmanagerin bei RuhrFutur: meryem.soenmez@ruhrfutur.de.

Icon eines Kindes beim Schaukeln

Etwa 800 Kinder

besuchten bislang eine Kinderstube. Aktuell (Januar 2021) werden insgesamt 190 Kinder betreut und gefördert.

3:1

Der sehr gute Betreuungsschlüssel: Auf neun Kinder kommen drei Tagespflegepersonen.
Icon eines Richtungspfeils

21 Kinderstuben

14 Kinderstuben in Dortmund, weitere sieben in Gelsenkirchen, Herten und Mülheim an der Ruhr.
Icon einer Uhr

8:00-14:00

Tägliche, planbare Förderung und Betreuung der Kinder. Zusätzliche Elternzeit von 14:00-16:00 Uhr.
Kapitel 1

Das Konzept der Kinderstuben

Lesedauer
8 Minuten

Die Kinderstuben sind ein wohnortnahes Bildungsangebot für Mädchen und Jungen im Alter von einem Jahr bis zu vier Jahren, die in benachteiligten Verhältnissen aufwachsen. Die Idee dazu stammt aus der Dortmunder Nordstadt, einem sozialen Brennpunkt: In dem Viertel ragen Hochhäuser wie Betonriesen aus dem Boden, es gibt wenig Platz zum Spielen, eine hohe Arbeitslosenquote und viele neuzugewanderte Menschen, die kaum Deutsch sprechen.

Vor etwa 12 Jahren fiel den Lehrkräften der dort gelegenen Grundschule Kleine Kielstraße auf, dass immer mehr Schulanfänger stärker gefördert werden müssen. Damals gingen 37 Prozent der vierjährigen Mädchen und Jungen des Stadtviertels nicht in eine Kindertageseinrichtung, und von denjenigen, die das taten, bestand nur ein einziges Kind die erste Stufe des Delfin-4-Sprachtests. Um die Kinder möglichst früh zu fördern, sie auf den Übergang in die Kindertageseinrichtung vorzubereiten und den Grundstein für eine erfolgreiche Bildungsbiografie zu legen, wurde 2008 die erste Kinderstube in Dortmund gegründet.

Die meisten Familien sind aus Syrien, Afrika, Mazedonien und Albanien nach Deutschland geflohen, aber grundsätzlich begleiten die Mitarbeiterinnen auch deutsche Kinder aus benachteiligten Verhältnissen. „Die Kinderstube ist ein Ort für die Kinder, aber auch für die Eltern“, betont Annika Schlechtendahl.

„Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist wesentlicher Bestandteil des Konzeptes und auch verpflichtend. Kommen die Mütter und Väter nicht zu den Treffen, haken wir schon nach“, erzählt die Sozialpädagogin.

„Wir fordern die Eltern in diesem geschützten Rahmen schon heraus, mit uns deutsch zu sprechen, damit sie es lernen“, sagt Annika Schlechtendahl. „Nur wenn es zu kompliziert wird, reden wir Englisch.“

Elterntreffen bieten vielfältige Angebote für die Mütter und Väter: Mal werden sie über Kinderkrankheiten informiert, mal geht es um gesunde Ernährung und häufig auch um nicht-pädagogische Anliegen, die belastend sein können und in den Familien oft großen Stress auslösen.

Deswegen organisiert das Kinderstubenteam zum Beispiel Wohnungsbesichtigungen und begleitet die Familien dorthin, es schaut im Internet nach günstigen Möbeln oder liest sich Briefe durch, die die Eltern bekommen haben, aber nicht verstehen.

Kinderstube ist stark nachgefragt

„Wir haben eine Warteliste mit zehn Kindern. Der Bedarf ist enorm und das Konzept mit dem guten Betreuungsschlüssel, der Einbindung der Eltern und der sozialpädagogischen Begleitung der Familien überzeugend“, betont Andrea Selonke-Rusch von der Stadt Herten, zuständig für die Kindertagespflege.

Um eine lückenlose Bildungskette sicherzustellen, hat die Kinderstube mittlerweile einen Kooperationsvertrag mit einer Kindertageseinrichtung geschlossen. Dorthin wechseln die Mädchen und Jungen nach etwa einem Jahr.

Da eine Kinderstube eine Großtagespflegestelle ist, gelten für sie selbstverständlich die qualitätssichernden Vorgaben aus den Gesetzen. Die Vorgaben beschreiben drei Qualitätsdimensionen: Strukturqualität, Orientierungsqualität und Prozessqualität.

Zwei fröhliche Kinder
Kapitel 2

Qualitätsmerkmale: Das zeichnet die Kinderstuben aus

Lesedauer
26 Minuten
Einige Worte vorab

Um die hohe Qualität des Angebots zu sichern und zukünftigen Trägern die Gründung weiterer Kinderstuben zu erleichtern, haben die Fachberaterinnen und sozialpädagogischen Begleitungen der fünf Träger 14 Qualitätsmerkmale der Kinderstuben zusammengestellt. Diese werden auf den folgenden Seiten detailliert beschrieben. 

Da eine Kinderstube eine Großtagespflegestelle ist, gelten für sie selbstverständlich die qualitätssichernden Vorgaben aus den Gesetzen. Dass Tagespflegepersonen eine Pflegeerlaubnis besitzen, die Räume kindgerecht sind und Brandschutzrichtlinien berücksichtigt werden müssen, wird daher in den nachfolgenden Merkmalen nicht gesondert erwähnt.

Vielmehr konzentrieren sich die Merkmale auf die Qualitätsaspekte, die über eine reguläre Tagespflegestelle hinausgehen und das Wesen der Kinderstuben ausmachen. Die Merkmale beschreiben drei Qualitätsdimensionen: Strukturqualität, Orientierungsqualität und Prozessqualität.

1.Kosten und Finanzierung der Kinderstuben

Tagespflegepersonen, die in einer Kinderstube arbeiten, erhalten die laufenden Geldleistungen, die in § 23 SGB VIII aufgeführt sind.

Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe berücksichtigen bei den laufenden Geldleistungen, dass die Arbeit in einer Kinderstube mit einem größeren Aufwand verbunden ist: Sie zahlen einen erhöhten Betrag zur Anerkennung der Förderungsleistung wie auch für Tagespflegepersonen, die Kinder mit Behinderung betreuen, oder aber sie entrichten einen pauschalen Betrag für den Mehraufwand.

Die Räume einer Kinderstube werden vom Träger angemietet und nicht – wie sonst üblich – von den Tagespflegepersonen.

In einer Kinderstube wird auch die mittelbare pädagogische Zeit vergütet, weil die Zusammenarbeit mit den Eltern und die konzeptionelle Weiterentwicklung für die Arbeit der Kinderstube unerlässlich sind. Täglich gelten zwei Stunden (14 bis 16 Uhr) als Verfügungszeit und werden in gleicher Höhe entlohnt wie die Betreuungszeit.

2. Was die Tagespflegepersonen alles mitbringen

Empfohlen wird, dass eine der Tagespflegepersonen in der Kinderstube eine pädagogische Fachkraft ist. Um den besonderen Herausforderungen in einer Kinderstube gerecht zu werden, sollten die Tagespflegepersonen interkulturell sensibel sein und den Familien vorurteilsfrei begegnen. Flexibilität, eine hohe Belastbarkeit und große Motivation sind notwendig.

Vorausgesetzt wird auch, dass sie bereit sind, sich fortzubilden, die eigene interkulturelle Kompetenz weiterzuentwickeln und eng mit der sozialpädagogischen Begleitung/Fachberatung des Trägers zusammenzuarbeiten.

3. Die Aufgaben der sozialpädagogischen Begleitung/Fachberatung

In der Kinderstube sind neben Tagespflegepersonen auch sozialpädagogische Fachkräfte tätig. Sie arbeiten eng mit den Tagespflegepersonen zusammen und unterstützen sie auf verschiedenen Ebenen bei der Bildung und Betreuung der Kinder.

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Fachkraft mit einer Vollzeitstelle vier Kinderstuben begleiten kann.

4. Individuelle Förderung durch optimalen Betreuungsschlüssel

In einer Kinderstube werden maximal neun Kinder von drei Tagespflegepersonen betreut. Um Kinder und Eltern bestmöglich fördern und unterstützen zu können, ist ein Betreuungsschlüssel von einer Tagespflegeperson zu drei Kindern festgelegt.

Dadurch ist gewährleistet, dass Familien ein Angebot erhalten, das individuell auf sie zugeschnitten ist.

Kinder beim Rutschen

5. Die Gestaltung der Räume

Eine Kinderstube kann sowohl in einer Wohnung als auch in einer gewerblichen Immobilie eingerichtet werden.

Pro Kind wird eine Fläche von mindestens 8 m² empfohlen, wobei Küche, Flur und Sanitärbereich hinzugerechnet werden. Folglich sollten die Räumlichkeiten eine Gesamtfläche von etwa 72 m² nicht unterschreiten und im besten Fall mehr als 90 m² umfassen, damit die Kinder bei Bedarf Rückzugsorte haben und sich ausreichend bewegen können. Dafür ist auch ein angeschlossener Garten oder Hof wünschenswert.

Ist das nicht realisierbar, sollte fußläufig ein Park, Schulhof oder Spielplatz erreichbar sein. Eine Kinderstube verfügt über mindestens einen Spiel- und Bewegungsraum, eine voll ausgestattete Küche, ein Bad mit fließendem warmen und kalten Wasser und eine Wickelmöglichkeit.

Die Räume einer Kinderstube sind optimalerweise bewegungsfreundlich gestaltet.

6. Der richtige Standort und die Einbettung ins Quartier

Eine Kinderstube zeichnet sich durch Wohnortnähe aus. Als Standort sollten zunächst Stadtteile ausgewählt werden, in denen kurzfristig Bedarf besteht.

Nach der Eröffnung der Kinderstube ist es ratsam, in der direkten Nachbarschaft für Akzeptanz zu werben.

Eine Kinderstube wird in die vorhandenen Strukturen des Quartiers eingebettet. Das bedeutet, dass sie mit Trägern und Angeboten vor Ort eng zusammenarbeitet. Durch solche Kooperationen ist garantiert, dass Kinder und ihre Familien kontinuierlich betreut und begleitet werden. Ein regelmäßiger Kontakt zu den Institutionen und Personen im Quartier – wie Kindertageseinrichtungen, Schulen, Stadtteilkoordinatorinnen, Familienzentren, Bauspielplätze, Jugendhilfe, Sozialamt, Flüchtlingsberatung und Sozialdienste – sorgt für die notwendige Vernetzung im Stadtteil.

Häuserfassaden in Essen

7. Sprache bildet – ein Schwerpunkt in der Kinderstube

Sprachbildung ist ein wesentlicher Baustein im Konzept der Kinderstuben. Das Sprachbildungskonzept wurde auf Grundlage der Bildungsgrundsätze für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im Primarbereich in Nordrhein-Westfalen erarbeitet.

Der allgemeine Spracherwerb und das Lernen der deutschen Sprache als Zweitsprache geschehen bei ihnen also zeitgleich. Grundsätzlich sind Kinder in der Lage, mehrere Sprachen zu erlernen. Damit sie und ihre Eltern sich als kompetent und selbstwirksam erleben, wird die Erstsprache der Familie in der Kinderstube wertgeschätzt.

Die Tagespflegepersonen sind ein gutes Sprachvorbild für die Kinder und die Tagespflegepersonen schaffen eine sprechfreundliche Atmosphäre und Sprechanlässe.

Die Sprachentwicklung der Mädchen und Jungen wird regelmäßig vom Team der Kinderstube dokumentiert, um einzelne Entwicklungsschritte deutlich machen zu können.

Sprachbildung für Eltern

Die Tagespflegepersonen vermitteln ihnen Hintergrundwissen zum Spracherwerb und ermuntern sie, zunächst in der Muttersprache mit den Kindern zu sprechen. Darauf kann im nächsten Schritt Deutsch als Zweitsprache aufgebaut werden.

Sprachentwicklungsstörungen

Liegt der Verdacht auf eine Sprachentwicklungsstörung vor, werden entsprechende Fachleute hinzugezogen, um den Verdacht abklären zu lassen. Eine der Tagespflegepersonen kontaktiert dazu die Eltern und begleitet sie gegebenenfalls zum Ohrenarzt und/oder zum Logopäden. Erhält ein Kind zusätzlich Sprachtherapie, werden die notwendigen Übungen ebenfalls in der Kinderstube umgesetzt.

8. Mit dem Körper lernen – Bewegung in der Kinderstube

Kinder beim Spielen

Ein elementares Grundbedürfnis eines jeden Kindes ist Bewegung. Durch sie sammeln Kinder Erfahrungen über sich selbst, andere Menschen und das Umfeld, in dem sie leben. Sie erwerben dabei motorische, personale, kognitive und soziale Kompetenzen.

Mädchen und Jungen, die in eine Kinderstube gehen, wachsen häufig in einer Umgebung auf, die dicht bebaut ist, in der es viel Verkehr und wenig Spiel- und Grünflächen gibt. Durch diese Bedingungen wird es Kindern erschwert, sich frei und ausreichend zu bewegen. Daher legen Kinderstuben in ihrem Konzept einen Schwerpunkt auf die Bewegungsentwicklung.

Während der Elternnachmittage vermitteln Mitarbeiterinnen der Kinderstube Müttern und Vätern, warum die Bewegungsentwicklung von Kindern bedeutsam ist. Zudem geben sie ihnen konkrete Anregungen und Spielvorschläge, wie sie ihre Kinder zu Hause gezielt fördern können.

9. Gesunde Ernährung

Eine ungesunde, einseitige Ernährung kann Grund für Hyperaktivität, Konzentrations- und Verhaltensstörungen sein und die Entstehung von Allergien begünstigen. Deswegen bereiten die Tagespflegepersonen in einer Kinderstube die Mahlzeiten aus frischen Zutaten selbst zu. Wird ein Kind aufgenommen, fragen sie Eltern nach Vorlieben, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien des Kindes. Die aktive Mitarbeit der Eltern bei der Ernährung ist sehr wichtig.

Gesundes Essen

10. Die Eingewöhnung – ein guter Start in der Kinderstube

Ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zur Tagespflegeperson gibt den Mädchen und Jungen die Sicherheit, die sie benötigen, um den Alltag in einer Kinderstube zu meistern. Das grundlegende Ziel der Eingewöhnung besteht darin, den Kindern Zeit zu geben, eine Beziehung zu ihrer Tagesmutter aufzubauen – und zwar in Anwesenheit eines Elternteils.

Die Kinderstuben arbeiten nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell. Abgeschlossen ist die Eingewöhnung dann, wenn ein Kind eine Beziehung zur Tagespflegeperson aufgebaut hat, sich in der Kinderstube sicher fühlt und auch ohne seine Eltern gerne dort bleibt.

11. Übergang in die Kita

Die Kinder bleiben mindestens ein Jahr in einer Kinderstube, bis sie in einer Kindertageseinrichtung aufgenommen werden. Die Tagespflegepersonen begleiten die Kinder bei diesem Wechsel und bereiten ihn gemeinsam mit den Eltern vor.

Der Übergang findet in der Regel zu Beginn des Kindergartenjahres am 1. August statt. Durch diesen festen Termin kann rechtzeitig mit den Vorbereitungen begonnen werden.

Einfacher wird der Übergang für Kinder, wenn sie bereits vor der Eingewöhnung Kontakt zu ihrer neuen Kindertageseinrichtung hatten.

Kinderstuben sollten daher eng mit einer Kindertageseinrichtung zusammenarbeiten.

12. Eltern sind ein Teil der Kinderstube

Kinder, Eltern und Mitarbeiter*innen beim Essen

Um Kinder bestmöglich fördern zu können, ist eine intensive, kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Eltern unerlässlich. Die Bereitschaft der Eltern mitzuwirken, wird Schritt für Schritt aufgebaut.

In vertrauter Umgebung können das Vermittlungsgespräch und die Antragstellung auf einen Betreuungsplatz erfolgen.

Im Anschluss an die Eingewöhnung in einer Kinderstube, die von Müttern und Vätern begleitet wird, erfolgt nach etwa drei Monaten ein erstes Elterngespräch. Pro Halbjahr findet jeweils ein weiteres Entwicklungsgespräch statt.

13. Kinderstuben sind Teil eines Netzwerkes

Kinderstuben sind ein niedrigschwelliges, wohnortnahes Bildungsangebot für Kinder aus Familien in besonderen Lebenslagen. 

Um die Familien bei ihren vielfältigen Herausforderungen angemessen beraten und unterstützen zu können und um die Kinderstuben weiterzuentwickeln, sind Kooperationen unerlässlich.

Ein Netzwerk von Menschen

14. Wer kann aufgenommen werden?

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass Kinderstuben auf eine hohe Akzeptanz bei Eltern stoßen. Der Wunsch, das eigene Kind in einer Kinderstube betreuen zu lassen, übersteigt schnell die vorhandenen Platzkapazitäten. Um die Auswahl nachvollziehen zu können, wird empfohlen, Leitlinien dafür zu entwickeln.

Eine Betreuerin mit einem Jungen
Verschiedene Nationalitäten
Kapitel 3

Evaluation

Lesedauer
6 Minuten

Was zeichnet die Kinderstuben nach dem Dortmunder Modell aus? – Zentrale Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung

Von Prof. Dr. Sebastian Möller-Dreischer

Noch vor Bestehen des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Lebensjahr haben zentrale Akteur_innen im Bereich der Bildungsangebote im Dortmunder Brunnenstraßen- und Hannibalviertel auf fehlende außerfamiliäre vorschulische Bildungserfahrungen einer Vielzahl der Kinder des Quartiers hingewiesen. Als Auswirkung nahm insbesondere die Grundschule vor Ort eine Erschwernis der vollen und wirksamen Teilhabe insbesondere dieser Gruppe von Kindern an schulischer Bildung wahr.

Mit Blick auf die strukturellen Bedingungen des Quartiers galt es, für diese fehlenden Erfahrungen eine Lösungsmöglichkeit zu finden, die nicht an eine Vereinbarkeitsproblematik von Beruf und Familie und eine daraus resultierende Betreuungsnotwendigkeit geknüpft war. 

Neben der grundsätzlichen Frage, wo und wie in einem dichtbesiedelten Wohnquartier zusätzliche Betreuungsplätze verfügbar werden können, stand bei der Entwicklung des Instruments im Mittelpunkt, wie ein für Familien erreichbares und annehmbares Konzept entwickelt werden kann, das noch dazu in der Lage ist, konzeptionell auf sich verändernde Anforderungen zu reagieren.

 

Bei der Betrachtung der pädagogischen Qualität wirken sich verschiedene bereits konzeptionell festgeschriebene Merkmale der Kinderstuben aus. Bei den Kinderstuben nach dem Dortmunder Modell handelt es sich aus rechtlicher Perspektive um Großtagespflegestellen. 

Zu dieser Form der Kindertagespflege bestehen bewusst erhebliche Unterschiede, die in Form konzeptioneller Rahmenbedingungen als ein Mindeststandard für die Kinderstuben festgelegt sind und dem Entstehungsort nach als sog. Dortmunder Modell bezeichnet wurden.

Mit dem Vorhandensein eines grundlegenden Konzepts liegt zunächst eine grundlegende Voraussetzung im Hinblick auf pädagogische Qualität in der Tagespflege vor. Grundsätzlich liegt damit ein Konzept vor, in dem neben der generellen pädagogischen Ausrichtung auch verschiedene Eckdaten rund um Betreuungs und Vorbereitungszeiten, das Verhältnis der Kinder zu den Tagespflegepersonen sowie die koordinierenden sozialpädagogischen Fachkräfte festgelegt sind.

Partner
Publikationen
Weiterführende Literatur
Ansprechpartner*in
HANDBUCH Kinderstuben
Handbuch Kinderstuben
Die Kinderstuben beruhen auf einem Konzept, das seit 2008 erfolgreich in Dortmund umgesetzt wird. Im Rahmen von RuhrFutur ist es auf die Städte, Gelsenkirchen, Mülheim an der Ruhr und Herten ausgeweitet worden. Das Handbuch „Kinderstuben“ erläutert die Ziele, beschreibt den Alltag in einer Kinderstube und stellt die wichtigsten Qualitätsmerkmale vor.
HANDBUCH Zusammenarbeit Kinderstuben und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD)
Handbuch Zusammenarbeit Kinderstuben und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD)
Im Rahmen der Weiterentwicklung von Kinderstuben haben sich die Kinderstube „Märchenwald“ in Dortmund und der Jugendhilfedienst Dortmund-Eving vernetzt und eine erweiterte Zusammenarbeit erprobt. Das Handbuch stellt die Ergebnisse vor und wirbt für den kooperativen Austausch – zum Wohl aller Kinder und Familien.
Gesetze:
  • SGB VIII
  • Kinderbildungsgesetz NRW
  • kommunale Satzungen

Handreichung Kindertagespflege in Nordrhein-Westfalen – Gemeinsame Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der öffentlichen Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalens, der Landesjugendämter NRW, des Landes - verbandes Kindertagespflege NRW und der Obersten Landesjugendbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen, 2017

https://www.mfkjks.nrw/sites/default/files/asset/document/handreichung_kindertagespflege_in_nrw.pdf

Deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Kindertagespflege – Damit es allen gut geht – Ratgeber für Tagespflegepersonen, 2011
S. Sell, N. Kukula: Leistungsorientierte Vergütung in der Kindertagespflege – Expertise des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz und des Bundesverbandes für Kindertagespflege

W. Tietze/F. Becker-Stoll/J. Bensel/A. G. Eckhardt/Gabriele Haug-Schnabel/B. Kalicki/H. Keller/B. Leyendecker (Hrsg.): NUBBEK – Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit, 2012

W. Tietze und H.-G. Roßbach (Hrsg.): Kindertagespflegeskala (TAS-R), Weimar, Berlin 2015

R. Wiesner, A. Dittmar und M. Kößler: Tagespflegepersonen in sozialversicherungspflichtigen Angestelltenverhältnissen – Expertise des Deutschen Jugendinstituts, 2014

http://www.handbuch-kindertagespflege.de/fileadmin/Dokumente/Kapitel_1/1.2.6._dji_rechtsexpertise_tagespflege.pdf

Möller-Dreischer, Sebastian: Dortmunder Kinderstuben. Komplementäres Tagesbetreuungsangebot – Abschlussbericht einer wissenschaftlichen Untersuchung. Im Auftrag der Arbeitsstelle für Regionale Sozialarbeitsforschung an der Fachhochschule Dortmund, FB Angewandte Sozialwissenschaften, 2016

https://www.dortmund.de/media/p/familie_2/kein_kind_zuruecklassen/netzwerk_infamilie/pdfs_3/wissenschaftliche_arbeiten_infamilie/ Evaluation_Kinderstuben_Abschlussbericht_0416.pdf

Meryem Sönmez
Meryem Sönmez
Projektmanagerin Handlungsfeld Frühkindliche Bildung
0201–177878–286
meryem.soenmez@ruhrfutur.de