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Vom Umgang mit Kindern bei Verlust und Trauer

31. Januar 2022
Kinder trauern anders als Erwachsene. Doch wie mit ihnen ins Gespräch kommen, wenn sie trauern – in Tagespflege, Kita oder Grundschule? Ein Gastbeitrag von Ursula Günster-Schöning.

Trauernde Kinder spüren sehr genau, wenn sich Erwachsenen mit ihrer eigenen Trauer beschäftigen. Sie ziehen sich dann oftmals zurück, um ihre Angehörigen nicht noch mehr zu belasten. Doch Kinder haben das Recht, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, sowie Erklärungen für das, was passiert ist und was als Nächstes geschehen wird. Sie sollten Aufmerksamkeit bekommen und einbezogen werden. Wer die Rechte der Kinder auf Selbstbestimmung im (Kita-)Alltag ernst nimmt, muss dies auch dann beherzigen, wenn es um Themen wie Sterben, Tod, Verlust, Angst oder Trauer geht.

Tagespflege, Kindertageseinrichtungen und (Grund-)Schulen sind bedeutsame Lebens- und Lernorte, die pädagogischen Fachkräfte wichtige Bezugspersonen und Gesprächspartner*innen von Kindern. Und obwohl alle wissen, dass Sterben und Tod zum Leben dazugehören, werden diese Themen (immer noch) tabuisiert. Dabei sollten pädagogische Fachkräfte den Kindern Gesprächsbereitschaft signalisieren, denn Kinder haben Fragen. Diese sind bisweilen so fundamental, dass Fachkräfte an ihre Grenzen kommen, ihnen die Worte fehlen – vor allem dann, wenn eigene traumatisierende oder zumindest schmerzvolle Erfahrungen mit Tod und Verlust gemacht worden sind. Der Umgang mit Sterben, Tod und Trauer in Kita und Schule ist eine pädagogische Herausforderung.

Jedes Kind trauert anders, auf individuelle Art und Weise, in seinem eigenen Tempo. Alle Kinder brauchen vielfältige Gelegenheiten, um zu lernen, mit Verlusterfahrungen umzugehen und Strategien zu entwickeln, um Erlebnisse zu verarbeiten. Für pädagogische Teams und Fachkräfte ist es daher grundlegend, sich mit den Themen Sterben, Tod und Trauer auseinanderzusetzen, um Kindern Angebote machen zu können. Grundlage dafür ist es, die eigenen persönlichen Erfahrungen zu reflektieren und sich diesen bewusst zu werden. Das Team sollte gemeinsam diskutieren und eine Haltung den Kindern gegenüber entwickeln. Darüber hinaus braucht es fachliches Wissen darüber, wie Kinder trauern, was sie in welchem Alter verstehen und wie altersgerechte Angebote aussehen können. Gemeinsam erarbeitete Notfallchecklisten (z.B. Sofortmaßnahmen nach Bekanntwerden eines Todesfalls) können die Trauerarbeit von pädagogischen Teams mit Kindern unterstützen. Materialkoffer oder Methodenkisten mit Büchern, Gebeten, Texten oder Liedern, die bei einem Todesfall eingesetzt werden, können hilfreich sein.

Auf jeden Fall sollte das Thema – meine Meinung – strukturell in der Tagespflege, im Kita- und Schulalltag verankert werden. Die „Charta für trauernde Kinder“ von Julie Stokes und Diana Crossley gibt wertvolle Anregungen für die Entwicklung von Leitlinien für pädagogisches Handeln. Professionelle Unterstützung und Weiterbildungen werden vor allem von speziell ausgebildeten Trauerbegleiter*innen und/oder Fachkräften aus Hospizen sowie ambulanten Hospizdiensten angeboten.

Abschließend noch der Hinweis auf eine Grundhaltung, die sich im Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer bei Kindern bewährt hat: Alles, was Sie als pädagogische Fachkraft sagen, sollte wahr sein. Aber Sie müssen dabei nicht alles sagen, was wahr ist, sondern sollten sich immer an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Kinder orientieren.

Buchtipps – eine Auswahl:

Beate Alefeld-Gerges, Stephan Sigg: Trauerarbeit mit Jugendlichen – junge Menschen begleiten bei Abschied, Verlust und Tod, Don Bosco Verlag, München 2017 (Anregungen, Fachwissen, Impulstexte, tröstende Rituale, Übungen, Tipps und Medienhinweise)

Margit Franz: Tabuthema Trauerarbeit – Kinder begleiten bei Abschied, Verlust und Tod, Don Bosco Verlag, München 2020 (Erfahrungslernen, entwicklungspsychologische Grundlagen, präventive und begleitende Praxisvorschläge)

Magret Färber, Martina Lutz: …plötzlich mit dem Tod konfrontiert, Don Bosco Verlag, München 2019 (Leitfaden für Kitas und Grundschulen mit Notfallplänen, Checklisten und Hilfen zur Trauerbegleitung)

Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt (Hrsg.): Trauernde Kinder und Jugendliche – wie wir ihnen beistehen können, München 2005 (enthalten ist die „Charta für trauernde Kinder“ von Julie Stokes und Diana Crossley)

Die Autorin:

Ursula Günster-Schöning
Weiterbildung, Beratung, Coaching
https://www.ursula-guenster.de/

KONTAKT:

Katja Pelizäus
Projektmanagerin Handlungsfeld Frühkindliche Bildung I Projektassistentin Büro der Geschäftsführung I Administration
0201–177878-16
@email