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„Making hat unendlich viele Gesichter“

1. September 2022
Wie können wir Selbstwirksamkeit, Kreativität und eine positive Fehlerkultur bei Kindern und Jugendlichen fördern? Neue, offene Lernsettings mit Raum zum (digitalen) Tüfteln und Sich-Ausprobieren können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Welche neuen Möglichkeiten Making in Schule eröffnet und wie Schüler*innen von diesem Konzept profitieren können, war Thema des Fachtags „Schule von morgen – digital, nachhaltig & kreativ“ am 31. August im Rahmen des Programms „Klasse!Digital“.

„Making hat unendlich viele Gesichter.“ So fasste Prof. Dr. Bernadette Spieler von der Pädagogischen Hochschule Zürich die Kernbotschaft ihres Impulsvortrags „Maker-Education als fächerübergreifende Methode des freien Experimentierens, Erforschens oder (digitalen) Bastelns“ für ihre Hörerschaft zusammen. Der Vortrag bildete den gelungenen Auftakt des zweiten digitalen Fachtags zur „Schule von morgen“ im Rahmen des Programms Klasse!Digital.

Das eigene Skillset im Gepäck
Die Professorin für Computerkompetenz in der Bildung zeigte eindrucksvoll und durch verschiedene Beispiele aus der eigenen Praxis die Wichtigkeit und Vielfältigkeit von Making in der Schule auf. Sie betonte, es gehe um kreatives Lösen realer Probleme, und dabei seien „Erkenntnisse, wie ich die analoge mit der digitalen Welt verbinden kann“ von zentraler Bedeutung. Die Offenheit des Ergebnisses sowie des gesamten Prozesses sei in der Maker-Education elementar. „Es geht nicht darum, ein Tutorial abzuarbeiten, sondern selbst auf Lösungen zu kommen“, so Spieler. „Jeder Maker und jede Makerin bringt sein oder ihr eigenes Skillset mit und dem muss im Unterricht entsprechend begegnet werden.“ So sei eine individuelle Förderung der Schüler*innen möglich, da jede*r nach den eigenen Fähigkeiten zu einem Ergebnis kommen könne. Spieler appellierte an die teilnehmenden Lehrkräfte, mutig zu sein, „unterschiedliche Wege zuzulassen und eher die Rolle eines Coaches einzunehmen, der Möglichkeiten zur Selbstentwicklung bietet“. 


Rein in die Praxis 
Die von Professorin Spieler skizzierte Herausforderung griff Dr. Julia Kleeberger, Geschäftsführerin der Jungen Tüftler*innen, in ihrem Workshop „Maker-Bildung in der Grundschule – Gelingensbedingungen und Praxisbeispiele“ auf: „Die wichtigste Aufgabe der Lehrkraft ist: Nichts zu tun. Man sollte nicht dem Drang nachgeben, Kindern zu helfen, Fehler zu vermeiden“. Im Rahmen dieses Angebots speziell für Grundschullehrkräfte oder in einem von zwei weiteren Workshops konnten die Teilnehmenden im Anschluss an den Fachvortrag tiefer in die Praxis eintauchen. Die Referent*innen stellten hier zunächst die Methoden ihres jeweiligen Schwerpunktthemas vor und luden die Teilnehmenden im Anschluss ein, verschiedene Tools aus den Bereichen Coding, Making oder Tinkering selbst auszuprobieren. 


Alle als Lernende begreifen
Nach einer bewegten Pause mit Yoga-Trainerin Janine Nagel stellte Achim Bäumer, Schulleiter der Siebengebirgsschule in Bonn, das Projekt der 7eWerkstatt vor. An seiner Schule wurde ein ehemaliger Computerraum zum Makerspace umfunktioniert, um Schüler*innen eine kreative Auszeit bieten zu können. Zunächst habe er jedoch mit einigen Problemen zu kämpfen gehabt, da der Raum von der Lehrerschaft nicht gut angenommen worden sei. Selbst die moderne Ausstattung als Anreiz sei nicht ausreichend gewesen, um die Nutzung des Raumes zu etablieren, so der Schulleiter. 

„Die Lehrerausbildung bringt bei, dass man als Lehrer allwissend ist. Wenn ich das nicht kann, dann kann der Schüler das erst recht nicht.“ Hierin habe wohl der Grund für die anfängliche Abwehrhaltung einzelner Kolleg*innen gelegen, so Bäumers Vermutung. Sein Lösungsansatz: „Wenn etwas nicht geht, dann müssen wir das Setting verändern und alle als Lernende begreifen.“ Der Schulleiter führte verpflichtende Schnupperstunden ein, in denen die Schüler*innen einmal pro Woche im Makerspace arbeiteten. "Unser Ziel war, dass die Schüler sagen: Cool, da möchte ich rein, wie kriege ich meinen Lehrer davon überzeugt, dass wir diesen Raum häufiger nutzen dürfen?" Der Plan ging auf.

Wie der Makerspace an der Siebengebirgsschule nun als fester Bestandteil des Unterrichtsalltags genutzt wird, erfahren Sie im Video:


Im Anschluss an den Praxisvortrag von Achim Bäumer, der den Teilnehmenden viele praktische Ansatzpunkte für die Entwicklung eines MakerSpace aufgezeigt hat, begrüßte Moderatorin Lena Reuter drei Gäste zu einer abschließenden Gesprächsrunde zum Thema „Maker-Bildung zwischen Werkstatt, FabLab und Unterricht“. 

Zoom-Screenshot von den 4 Teilnehmenden der Diskussionsrunde

Medienpädagogin Kristin Narr, Projektleiter des Green FabLab in Kamp-Lintfort Prof. Dr. Kai Tiedemann sowie Dr. Martin Kreymann, Leiter des zdi-Netzwerkes an der Hochschule Rhein-Waal & Koordinator der School FabLabs, diskutierten gemeinsam mit der Moderatorin über die „Schule von morgen“. 


„Macht die Schulen auf!“
Kristin Narr möchte mit ihrer Arbeit Bildung und Digitales stärker zusammenzubringen. Um diesem Ziel im System Schule näher zu kommen, wünschte sie sich, dass Schulen mehr in die Kooperation gehen, sich Expertise von außen reinholen, um das eigene System und die Lehrkräfte zu entlasten. Ihr Appell: „Macht die Schulen auf!“ Neben dem „außerschulischen Empowerment“ betonte sie die Bedeutung von Vielfältigkeit und Freiwilligkeit. Letzteres stünde noch immer häufig im Gegensatz zu den an Schule vorherrschenden Strukturen. Um Raum für Freiwilligkeit zu schaffen und es den Schüler*innen zu ermöglichen, selbstorganisiertes Lernen zu lernen, forderte sie: „Schafft die Ziffernoten ab und findet adäquatere Bewertungsmöglichkeiten!“


Maker-Bewegung verbindet
2014 wurde das FabLab an der Hochschule Rhein-Waal gegründet, berichtet Dr. Martin Kreymann. Sie hätten gemerkt, dass ihr Konzept gut zu den ZDI-Aktivitäten in NRW passe und so hätte sich der Raum auch schnell als Ort für die Lehrer*innen-Fortbildung, aber auch als außerschulischer Lernort, den Lehrende mit ihrer Klasse besuchen können, etabliert.

Ein großes Potenzial von FabLabs oder Makerspaces liegt laut Kreymann in ihrer verbindenden Wirkung. "Normalerweise konkurrieren Schulen um Schüler, bei der Maker-Sache arbeiten sie zusammen." Gleiches gelte für die Zusammenarbeit von Lehrkräften und Schüler*innen. Außerdem eroberten Jugendliche sich durch Making Autonomie zurück, "und bei uns bekommen sie die Werkzeuge dazu", so der Koordinator des School FabLabs.

Nachhaltig tüfteln
Sein Kollege Prof. Kai Tiedemann legt bei den Projekten im Green FabLab den Fokus auf Nachhaltigkeit. Er berichtete von einem Workshop-Programm, in dem ausrangierte Drucker "ausgeschlachtet" und in 3D-Drucker umfunktioniert wurden. "Die Wiederverwertungsquote von Elektroschrott ist desaströs", bemängelte der Professor von der Hochschule Rhein-Waal. Auf die Frage nach seiner Vision von der Schule von morgen betonte er die Wichtigkeit außerschulischer Lernorte und wünschte sich insbesondere, dass die Rolle von Makerspaces weiter wächst.


Schule von morgen – kreativ dokumentiert
Kreativ war nicht nur das Thema des Fachtags, sondern auch die Dokumentation der wichtigsten Erkenntnisse.

Bevor Moderatorin Lena Reuter sich von den Teilnehmenden verabschiedete, ließ sie sich von Graphic Recorder Volker Voigt noch seine visuelle Zusammenfassung der Veranstaltung zeigen: ein großes Wimmelbild, so bunt und ideenreich wie der Fachtag selbst.

KONTAKT:

Berna Büyüknisan
Projektmanagerin Handlungsfeld Schule
0201–177 878-42
@email
Leonie Bautz
Projektmanagerin Handlungsfeld Schule
0201–177878-284
@email