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Abschlussveranstaltung: 4 Jahre "Wegbereiter" und "Eltern und Schulen" - Vielfalt gemeinsam gestalten

Donnerstag, 14. Januar 2021
Uhr bis
Uhr
Zoom-Webinar - Sie erhalten den Link nach Anmeldung

Informationen

Eltern und Schulen - Gemeinsam stark
Wegbereiter

Downloads

Vollständiges Programm hier zum DOWNLOAD (PDF)

Keynote: Prof. Dr. Timm Albers: Vielfalt gemeinsam gestalten PDF
Regionales Bildungsbüro Bochum: Eltern und Schulen - Gemeinsam stark PDF
Kommunales Integrationszentrum Bochum PDF
Castrop Rauxel: Chancen und Möglichkeiten für mehr Zusammenarbeit aller Beteiligten im Umfeld Schule PDF
Kreis Recklinghausen: Wegbereiter PDF
Matthias Bartscher: Motivierende Beziehungsgestaltung in der Schule und mit Eltern PDF
Mülheim an der Ruhr: Eltern und Schulen - Gemeinsam stark PDF
Mülheim an der Ruhr: Wegbereiter PDF
Micro-Pausen: essentiell für eine Gesundheitsförderung im (neuen) Arbeitsalltag PDF
Dr. Jens Bartnitzky: Wortschatztraining mit learningApps PDF
Graphic Recording JPG - mit Dank an Volker Voigt!

Links

Projektseite "Wegbereiter"
Projektseite "Eltern und Schulen"

Abschlussveranstaltung „Wegbereiter“ und „Eltern und Schulen“

Viel bewegt und viel Bewegendes erlebt
Vier Jahre lang haben sie unter dem Dach von RuhrFutur gemeinsam für bessere Bildungschancen gearbeitet. Sie haben Wege gesucht, um neu zugewanderte Kinder und Jugendliche besser zu integrieren und Eltern als Bildungspartner enger an Schulen zu binden: Bei der digitalen Abschlussveranstaltung der Projekte „Wegbereiter“ und „Eltern und Schulen“ gaben Bildungsakteur*innen aus Bochum, Mülheim an der Ruhr und dem Kreis Recklinghausen spannende Einblicke in ihre Projekte und nutzten den Tag für Austausch und Vernetzung.

Die Wiedersehensfreude der rund 150 Gäste ist groß – auch wenn sie sich diesmal nicht persönlich begrüßen, sondern nur „von Kachel zu Kachel“ auf dem Bildschirm zuwinken können. „Wir wünschen uns, dass Sie auch nach dem heutigen Tag miteinander im Gespräch bleiben“, sagt Britt Lorenzen, die gemeinsam mit Melanie Dahl moderiert. Die Veranstaltung soll nicht nur feierlicher Abschluss vier intensiver Projektjahre sein, sondern auch Ausgangspunkt für neue Ideen und Aktivitäten.

Zum Einstieg zeigt eine kurze Videosequenz eindrucksvoll, was allein im Projekt „Wegbereiter“ von 2017 bis 2021 entstanden ist: Da ist der 19-jährige Schüler, der aus Guinea nach Bochum kam und über ein Kunstprojekt neue Wege zu seinen Mitschüler*innen fand. Da sind Aufnahmen aus der Konzeptphase in Recklinghausen mit Stellwänden voller Projektideen, die mittlerweile zum Leben erweckt wurden. „Wenn man das Ziel gemeinsam verfolgt, ist man schneller unterwegs und erfolgreicher“, resümiert Claudia Stermer, die Leiterin des Regionalen Bildungsbüros im Kreis Recklinghausen.

Erfolge durch gemeinsames Wirken

Die Projekte „Wegbereiter“ und „Eltern und Schulen“ machen deutlich, welche Erfolge sich durch gemeinsames Wirken erzielen lassen. Im Interview mit Britt Lorenzen berichten die Leiterinnen der Projektkommunen aus Bochum, Mülheim an der Ruhr und Recklinghausen von den Meilen- und Stolpersteinen der letzten Jahre. „Belebt und bereichert“ fühlt sich Anette Eichler vom Regionalen Bildungsbüro Bochum. „Allein hätten wir die Ressourcen und das Know-how nicht gehabt.“ In Castrop-Rauxel ist Regina Kleff, Beigeordnete für Soziales, besonders stolz auf eine Peer-to-peer-Befragung von Schüler*innen, aus der Leitlinien für einen besseren Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule entstanden. „Aber nicht jedes Projekt ist wirksam“, räumt sie ein. 

In Mülheim an der Ruhr führten die ersten Treffen zu der Erkenntnis, dass das Verständnis der Zusammenarbeit mit Eltern überarbeitet werden müsse. Über moderierte Runden gelangte man in einen konstruktiven Austausch mit den Schulen. „Wir haben die Mikroprojekte genutzt, um das, was wir gelernt haben, umzusetzen“, berichtet Brita Russack von der Mülheimer Koordinierungsstelle Bildung und Integration. Für den Kreis Recklinghausen kann Claudia Stermer trotz vieler skeptischer Stimmen ein beachtliches Ergebnis vorweisen: eine Website, die Bildungsangebote für neu Zugewanderte bündelt. Die intensive Zusammenarbeit hat sich gelohnt! 

„Wir haben uns gemeinsam weiterentwickelt“, bilanziert auch Miriam Weilbrenner von der Landesweiten Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI). Durch das gemeinsame Wirken in den Projekten „Wegbereiter“ und „Eltern und Schulen“ sei viel Kommunikation und Reflexion entstanden – auf allen Ebenen, von der Kommune bis zur Fachkraft.

Damit all das, was in den vergangenen vier Jahren mit viel Mühe und Herzblut erarbeitet wurde, erhalten bleibt und Mut zum Ausprobieren und Weiterentwickeln macht, hat RuhrFutur gemeinsam mit den Projektkommunen einen digitalen Orientierungsrahmen entwickelt. Er führt die Ergebnisse der kommunalen Konzepte zusammen und dient als Transferinstrument. Elena Angerstein, Projektleiterin „Wegbereiter“ bei RuhrFutur, gewährt in einer kurzen Präsentation erste Einblicke in die ansprechend gestaltete Website. Sie gibt konkrete Anleitung beim Aufbau eines kommunalen Konzepts, zeigt Praxisbeispiele in Form von fast 50 Mikroprojekten und „macht Lust auf mehr“, wie Moderatorin Britt Lorenzen treffend bemerkt.


Mehr pädagogische Arbeit im Sozialraum

Auf die Fülle an Arbeitsbeispielen aus den Projekten folgt ein wissenschaftlicher Exkurs mit aktuellem Bezug: Prof. Dr. Timm Albers, Professor für inklusive Pädagogik an der Universität Paderborn, spricht über „Corona und soziale Ungleichheit“. Albers führt aus, wie der Lockdown die Belastungen für sozioökonomisch benachteiligte Familien erhöht – etwa, weil die Wohnverhältnisse beengt sind, es an digitaler Ausstattung für das Distanzlernen fehlt oder die deutschen Sprachkenntnisse nicht ausreichen. „Der Kontakt zu den Familien in Zeiten von Corona ist zentral“, folgert der Pädagoge. Die Pandemie wirke wie ein Brennglas auf die Bildungs- und Teilhabechancen der Kinder. Er appelliert, in der pädagogischer Praxis den Fokus nicht auf Defizite zu richten, sondern eine wertschätzende Haltung im Umgang mit Heterogenität zu entwickeln. „Kinder und Jugendliche sind heterogen, und ebenso vielfältig sind die Wege zu ihnen.“ Die Vernetzung im Sozialraum betrachtet der Wissenschaftler als Erfolgsfaktor; in den Projekten „Wegbereiter“ und „Eltern und Schulen“ sieht er diese gut umgesetzt. 

Die Podiumsdiskussion zum Vortrag zeigt, auf welch phantasievolle Weise Schulen Wege zu Kindern und Eltern suchen. So erschuf das Team der Astrid Lindgren-Grundschule in Mülheim an der Ruhr im Frühjahrs-Lockdown die Superhelden-Figur „Heldi“, die Kindern als starker Freund zur Seite steht und bei der sie ihre Sorgen abladen können. Auch am Berufskolleg Castrop-Rauxel (BKCR) sind die Belastungen der Schüler*innen vielfältig: Dort kommen viele neu zugewanderte, zum Teil schwer traumatisierte Jugendliche zusammen. „Wir unterstützen sie dabei, miteinander in Kontakt zu kommen, damit sie sich auch gegenseitig helfen können“, berichtet die Lehrerin Natalie Franitza-Linek. Mit dem Mikroprojekt „Tag der Begegnung“ hat das BKCR das Miteinander und Vertrauen untereinander gestärkt und mit einer Berufsbörse praktische Hilfestellung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz geleistet.


Von guten Beispielen lernen

Nach spannenden, aber dennoch statischen zwei Stunden vor den Bildschirmen ruft der Experte für Betriebliches Gesundheitsmanagement Sven Adomat die Teilnehmenden zu ein paar sanften, aber dennoch effektiven Bewegungsübungen auf: „Moving“ heißt das niederschwellige Programm, um aktiv etwas für den Stoffwechsel, das Gehirn und den Rücken zu tun. Eine wertvolle Anregung für lange, bewegungsarme Tage im Büro oder Homeoffice. Wer mag, startet anschließend mit Achtsamkeitstraining oder Yoga in eine interaktive Mittagspause. Während Simone Kriebs die Teilnehmenden ihrer Achtsamkeitsgruppe zum bewussten Atmen anleitet, zeigt Janine Nagel allen Yoga-Interessierten einfache Kraft- und Dehnungsübungen für Arme und Beine. 

Gestärkt und tiefenentspannt geht es danach in den Nachmittagsblock. Die Teilnehmenden können sich jetzt entweder für eine Einführung in das Wortschatztraining mit Learning Apps entscheiden oder in einem Themenforum praktische Ergebnisse aus „Eltern und Schulen“ diskutieren. In diesem Forum bittet Moderatorin Melanie Dahl nacheinander die Projektkoordinator*innen der einzelnen Kommunen darum, ihre Arbeit der vergangenen vier Jahre vorzustellen. In den Präsentationen zeigt sich wiederum eine beeindruckende Vielfalt an Aktivitäten. Einzelne Projekte geben Anlass zu Nachfragen, etwa die „Mülheimer Schultüte“: Das Pilotprojekt startete 2018, um Eltern künftiger Schulkinder besser zu begleiten und zu unterstützen – mit Elterntreffen, mehrsprachigen Brückenbauer*innen und in enger Kooperation mit Kitas. „Wie habt ihr die Brückenbauer*innen angeworben? Wurde das Engagement vergütet?“, fragt eine Teilnehmerin im Chat. Auch zum Bochumer Projekt „Familienklassen“ gibt es konkrete Umsetzungsfragen. Die wichtigsten Antworten kommen live im Plenum, für alles Weitere tauschen die Beteiligten ihre Mailadressen aus – so funktioniert Netzwerken in Pandemie-Zeiten. Für vertiefende Diskussionen in Kleingruppen geht es nun in die „Breakout-Räume“: virtuelle Besprechungsräume mit einer zufällig generierten Teilnehmerschaft. 

Kinder brauchen positives Feedback

Kurze Pause – vielleicht mit einer Tasse Kaffee oder ein bisschen „Moving“ –, dann geht es in die zweite Runde. Die Teilnehmenden wählen sich entweder in einen Vortrag über motivierende Beziehungsgestaltung in der Schule und mit Eltern ein oder besuchen ein Themenforum zu Praxiserfahrungen aus dem Projekt „Wegbereiter“. Hier werden Mikroprojekte aus dem Kreis Recklinghausen, Bochum und Mülheim an der Ruhr präsentiert und diskutiert, zum Beispiel das Fotoprojekt „Alles eine Farbe“ zu den Themen Diversität und Chancengleichheit oder ein Projekt des Recklinghäuser Künstlers Andries Heuts mit Jugendlichen.

Zeitgleich hält Matthias Bartscher in seinem virtuellen Hörsaal viele praktische Tipps für Lehrkräfte bereit. „Anerkennung, Erfolg, Gewinn und Selbstbestimmung sind wichtige Bausteine der Motivation“, weiß der freiberufliche Trainer. „Aber bei Motivation geht es auch um Angstvermeidung und das Ausweichen vor Aggression.“ Er rät Eltern und pädagogischen Fachkräften, mit Ritualen feste Strukturen für regelmäßige Aufgaben zu schaffen und den Kindern zu einem gesunden Maß an Frustrationstoleranz und Anstrengungsbereitschaft zu verhelfen.  Letztlich gelinge Motivation am besten über eine gute Beziehung: „Wer sich angenommen fühlt, lernt besser.“ Matthias Bartscher ruft Lehrkräfte auf, auch in der Arbeit mit herausfordernden Kindern mehr Achtsamkeit für positive Momente zu entwickeln: „Alle Kinder brauchen mehr positives als problemorientiertes Feedback.“

Ein Tag mit viel Input, aber auch mit Raum zum Diskutieren und Netzwerken nähert sich dem Ende. Einer der Bildschirmgäste hatte heute eine besondere Aufgabe: Dem „Visualisierungs-Fuchs“ Volker Voigt ist es gelungen, die Veranstaltung per „Graphic Recording“ in einem einzigen Bild festzuhalten. Die vielen Botschaften und Eindrücke hat er in eindrucksvolle Szenen mit hoher Symbolkraft umgesetzt. Ein wunderbares gemaltes Protokoll der Veranstaltung!

Abschließend richtet Elena Angerstein ihren Dank an die Projektpartner*innen, die hochmotiviert dabei gewesen seien. „Warum machen wir das alles? Weil wir Kindern und Jugendlichen bestmögliche Bildungschancen geben möchten.“ Sie appelliert an die Teilnehmenden, mit diesem Ziel auch in Zukunft gemeinsam zu wirken. Unterdessen äußern viele Gäste im Chat Dank und Anerkennung für die zahlreichen Anregungen und die gelungene Moderation. „Ich bin inspiriert fürs Weitermachen im neuen Jahr“, lautet ein Kommentar. So herrschte beim digitalen Abschluss zwar ein wenig Wehmut, vor allem aber eine Aufbruchstimmung, die zuversichtlich stimmt: „Wegbereiter“ sowie „Eltern und Schulen“ werden weiterleben – nicht nur auf den dafür geschaffenen Portalen im Internet, sondern durch ein Netzwerk engagierter Menschen mit Ideen für viele weitere Aktionen.