Fachtag „Gemeinsam Chancen schaffen – Bildungspartnerschaften zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen“

Montag, 07. Oktober 2019
Haus der Technik, Hollestr.1, 45127 Essen
12:00 bis 16:00 Uhr

Niemand begleitet Kinder und Jugendliche so weit auf dem Bildungsweg wie ihre Eltern. Von der frühkindlichen Bildung über die Schule bis hin zum Übergang Schule/Beruf spielen sie eine entscheidende Rolle für den Bildungserfolg. Gelingende Bildungs- und Erziehungspartnerschaften sind damit eine wichtige Grundlage für mehr Bildungsgerechtigkeit.

Vor diesem Hintergrund veranstaltet RuhrFutur in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung, dem Institut für Soziale Arbeit Münster, der Landesweiten Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren, der Wübben Stiftung, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW sowie dem Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW den Fachtag „Gemeinsam Chancen schaffen – Bildungspartnerschaften zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen“.

Bei diesem Fachtag geht es vor allem darum, dass Lehr- und Fachkräfte aus Bildungseinrichtungen, Bildungsverwaltung und Politik sowie Eltern gemeinsam Möglichkeiten erarbeiten, wie die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und einer vielfältigen Elternschaft weiter verbessert, gefördert und systematisch im Ruhrgebiet verbreitet werden kann. Dazu sollen die gegenseitigen Erwartungen der unterschiedlichen Akteure geklärt und die jeweils eigenen Handlungsmöglichkeiten identifiziert werden.

Der Blick wird dabei vor allem darauf gerichtet, wie ...
... Bildungseinrichtungen ihre Zusammenarbeit mit Eltern weiterentwickeln können,
... die vielfältigen Kompetenzen von Eltern als Bildungspartner zur Entfaltung gebracht und einbezogen werden können,
... und Kooperationen vor Ort und im Ruhrgebiet für Bildungs- und Erziehungspartnerschaften vertieft werden können.

Dieser Fachtag geht zurück auf eine Verabredung der Teilnehmenden des Themenforums „Vielfalt“ beim Kongress Zukunftsbildung Ruhr 2018. 

Kontakt für Fragen und Anregungen

Tobias Quednau
tobias.quednau@ruhrfutur.de
Tel.: 0201–177878-283

neue Ansprechpartnerin für das Projekt:

Anna Jana Müller 
annajana.mueller@ruhrfutur.de
Telefon: +49 (0) 201–177878-283

Fachtag

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DOKUMENTATION

Gemeinsam Chancen schaffen – Fachtag zu Bildungspartnerschaften zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen

Kinder brauchen ihre Eltern – und auch Bildungseinrichtungen schätzen Eltern als wertvolle Partner, denn ihr Einfluss auf den Bildungserfolg der Kinder ist groß. Wie Bildungspartnerschaften zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen gelingen können, diskutieren über 200 Fachkräfte aus Bildungseinrichtungen, -verwaltung und -politik sowie Eltern auf einem von RuhrFutur initiierten Fachtag im Essener Haus der Technik.

Wie können Bildungseinrichtungen ihre Zusammenarbeit mit Eltern weiterentwickeln? Wie bringen sie die Kompetenzen von Eltern zur Entfaltung? Wie lassen sich Kooperationen für Bildungs- und Erziehungspartnerschaften vertiefen? Diese und ähnliche Fragen bewegen die Teilnehmenden des Fachtags „Gemeinsam Chancen schaffen – Bildungspartnerschaften zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen“. Auch wenn jeder das Thema aus einer etwas anderen Perspektive betrachtet, haben sie alle ähnliche Erfahrungen gemacht wie Zeki Boran vom Kommunalen Integrationszentrum Hagen: „Eltern sind kompetente Kooperationspartner, die man mit ins Boot holen muss. Wenn sie einbezogen werden, hat das einen positiven Effekt auf den Bildungserfolg der Kinder.“ Von dem Fachtag verspricht er sich insbesondere Input und Vernetzung.

Ankunft

Galeriegang

„Aus vielen Kitas bekomme ich die Rückmeldung, dass es nicht gelingt, die Eltern zu erreichen“, berichtet Ute Bartling-Schönknecht. Als Fachberaterin für Sprachkitas und Einrichtungen der Großtagespflege in Recklinghausen wünscht sie sich Anregungen, welche Wege man gehen kann, um Eltern für die Bedeutung von Erziehungs- und Bildungspartnerschaften zu sensibilisieren. Leyla Güleryüz, Fachberatung Interkulturelle Erziehung und Sprachförderung der Stadt Recklinghausen, ist überzeugt: „Menschen erreicht man nicht mit Maßnahmen, die sie nötig haben, sondern durch Angebote, bei denen sie sich gesehen und wertgeschätzt fühlen.“

 

Positive Erfahrungen hat sie mit einer interkulturellen Kunstwerkstatt gesammelt. Mit offenen Ohren und Augen geht Esma Sahin vom Kommunalen Integrationszentrum Ennepe-Ruhr-Kreis in den Tag: „Wir wollen Erziehungs- und Bildungspartnerschaften etablieren, und zwar unabhängig von der Herkunft der Familien.“ Sie hofft auf Anregungen, wie sie Einrichtungen dabei unterstützen kann, entsprechende Maßnahmen zu entwickeln. Eine ganz andere Zielgruppe hat Michael Töpler vom Grundschulverband e. V. im Blick: „Ich bin gespannt, ob das Thema auch aus der Perspektive der Kinder behandelt wird. Manchmal sind die Interessen der Eltern nämlich nicht die der Kinder.“

Ein Thema, viele Partner

Veranstalter und Partner

 

Nach dem informellen Austausch im Foyer strömen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Hörsaal, wo Moderatorin Anke Bruns sie begrüßt. Gastgeber Dr. Oliver Döhrmann, Geschäftsführer von RuhrFutur, erinnert daran, dass der Fachtag auf eine Verabredung beim Kongress Zukunftsbildung Ruhr 2018 zurückgeht. „Die vielen beteiligten Partner der heutigen Veranstaltung zeigen, wie wichtig allen Akteuren der Gedanke der Kooperation ist.“ Der Kreis der Beteiligten ist in der Tat groß, wie eine kurze Vorstellungsrunde auf der Bühne zeigt:

Vertreten sind die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung, das Institut für Soziale Arbeit, die Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren, die Wübben Stiftung, das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW sowie das Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW. „Unsere wichtigsten Verbündeten sind die Eltern“, stellt Dr. Oliver Döhrmann fest. Um sie zu erreichen, entwickele man miteinander positive, lösungsorientierte Ansätze.  

Welche Chancen aus wissenschaftlicher Sicht in Erziehungs- und Bildungspartnerschaften liegen, beschreibt Prof. Dr. Anne Sliwka vom Institut für Bildungswissenschaft der Universität Heidelberg in ihrem Vortrag. Ihre Prämisse: „Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind, aber ihr Möglichkeitsrahmen ist unterschiedlich.“ Die sozial bedingten Leistungsunterschiede seien nirgends so groß wie in Deutschland: Während es in benachteiligten Familien nicht nur an Geld fehle, sondern auch an „kulturellem Kapital“ (Bücher, Museumsbesuche) sowie an Netzwerken, beobachte man in anderen Milieus eine „konzertierte Kultivierung“. 

Eltern förderten etwa gezielt die Sprachentwicklung und andere Talente ihres Nachwuchses auf vielfältige Weise. Daraus ergebe sich ein Wissensvorsprung, der es dem Lernenden erleichtere, das Lernangebot besser zu nutzen. Anne Sliwka folgert: „Wir können Eltern nicht verändern, sondern wir müssen unsere Unterstützungsmöglichkeiten für Eltern ändern.“ 

Prof. Dr.  Anne Sliwka beim Vortrag

Vortag Sliwka Plenum

Anhand internationaler Praxisbeispiele zeigt die Bildungswissenschaftlerin, dass ein gemeinsames Verfolgen von Zielen die größten Erfolge bringt. Provokativ wirft sie die Frage auf: „Haben wir überhaupt gemeinsame Ziele?“ Gemeinsame Ziele einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft könnten anspruchsvolle Leistungen sein (Excellence) sowie Chancengerechtigkeit (Equity) und Wohlbefinden (Well-Being). Eine Bildungspartnerschaft betrachtet Sliwka als „Win-win-Situation“. Um gemeinsam das formulierte Bildungsziel zu erreichen – die Befähigung eines jungen Menschen zur ökonomischen, politischen und kulturellen Teilhabe –, müssten Teilsysteme strategisch ineinandergreifen. 

Dies geschehe, wie Beispiele aus anderen Bildungssystemen zeigten, zum Beispiel durch verbindliche Online-Befragungen der Eltern zur Bildungsqualität oder durch individuelle Rückmeldungen der Bildungsinstitution an die Eltern. „Bei uns in Deutschland werden Daten nicht ausreichend strategisch genutzt“, kritisiert Anne Sliwka. Daten könnten jedoch dazu dienen, um auf der Sachebene mit Eltern ins Gespräch zu kommen.

Vertrauen als Basis

„Es lohnt sich, für Erziehungs- und Bildungspartnerschaften zu kämpfen“, sagt die Bildungsexpertin – zum Beispiel unter Eltern, die Empathie zeigen und den Blick für das Ganze nicht verlieren sollten, und zwischen professionellen Fachkräften und Eltern für eine Kultur der gemeinsamen Verantwortung. Um den Weg zum Bildungserfolg zu ebnen, müsse man ko-konstruktiv und nicht gegeneinander arbeiten. „Wir sollten Schule zu einem Ort machen, an dem Eltern sich gerne aufhalten.“ 

In Deutschland komme man von einer Kultur der Koexistenz zwischen Eltern und Schulen allmählich in eine Kultur des Austauschs. Das Ziel sei jedoch die Ko-Konstruktion – eine Kultur, in der man gemeinsam Chancen schaffe. Dafür müsse eine Vertrauensbasis bestehen. Wie man Eltern in ko-konstruktive Prozesse einbezieht und ihnen etwas an die Hand gibt, beschreibt Sliwka an einem Beispiel aus Kanada: der „Family Math Night“. Dabei sind Eltern eingeladen, gemeinsam mit ihrem Nachwuchs spielerisch Mathematikaufgaben zu lösen, mit- und voneinander zu lernen, Spaß zu haben sowie Ideen mit nach Hause zu nehmen.

Sliwka Vortrag 3_Plenum

„Eltern verhalten sich im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten rational und wollen in der Regel das Beste für ihr Kind“, resümiert Anne Sliwka und zählt auf, wie sie dabei am besten unterstützt werden können: Es gelte, Eltern die Bedeutung von Bildung vor Augen zu führen, damit sie zum Beispiel beim Einkaufen oder im Haushalt ihr Kind mit kleinen Aufgaben spielerisch fördern. Erziehende und Lehrkräfte sollten Eltern Informationen und Orientierung geben. Sliwka empfiehlt, als Grundlage für Entwicklungsgespräche auf Daten zurückzugreifen. Die Bildungswissenschaftlerin rät ferner zu einer ressourcenorientierten Sichtweise und zur Erfolgsorientierung („Jede Verbesserung ist ein Erfolg!“). Sie ruft die Anwesenden auf, auf Ko-Konstruktion zu setzen statt „Blaming“ zu betreiben.

Sliwka Applaus

Nach dem wissenschaftlichen Exkurs fragt Anke Bruns die Anwesenden im Plenum nach ihren praktischen Erfahrungen mit Bildungs- und Erziehungspartnerschaften. Die Rückmeldungen reichen von „sehr positiv“ und „überwiegend positiv“ bis hin zu „wichtig, aber auch herausfordernd“. Bemängelt wird, dass das Bildungssystem nicht auf einen Dialog mit Eltern ausgerichtet sei. Es fehle an Räumen, um etwa eine Schule als „Haus der Bildung“ zu öffnen. Norbert Neske-Rixius vom Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW verweist auf Gemeindezentren und andere Räumlichkeiten im Stadtbezirk. Anette Eichler vom Bildungsbüro Bochum bittet um Geduld: „Wir sind dabei, Familienzentren an Grundschulen auf den Weg zu bringen.“ Bis zur Umsetzung brauche man allerdings einen langen Atem.

Brücken zu Familien bauen

In der Kaffeepause wird eifrig weiterdiskutiert. „Die Idee mit der Mathenacht aus dem Vortrag von Frau Prof. Sliwka nehme ich gerne mit“, sagt Tanja Knopp, Leiterin der Gertrudisschule in Bochum-Wattenscheid. An ihrer Schule lernen Kinder mit 50 verschiedenen Nationalitäten. Um Brücken zu bildungsfernen Familien zu bauen, geht die Schule unterschiedliche Wege: Jeden Tag ist das Elterncafé geöffnet – laut Tanja Knopp „ein räumlicher und personeller Spagat“. In schulischen AGs übernehmen Eltern Verantwortung. „Das ist für beide Seiten unglaublich gewinnbringend.“ Jene Eltern, die bereits im hiesigen Bildungssystem angekommen sind, engagieren sich als Sprachmittler, etwa wenn es um Fragen des Übergangs zur weiterführenden Schule geht. „Außerdem ist es wichtig, in den unterschiedlichen Kulturen jeweils einen Gatekeeper zu haben“, sagt die Schulleiterin. 

Kaffeepause

Auf Multiplikatoren setzt auch Nabila El Makhoukhi, Projektleiterin im Elternnetzwerk NRW. „Vor allem Eltern mit Zuwanderungsgeschichte fehlt jemand, der sie an die Hand nimmt. Im Projekt ‚Eltern-Navi ins Studium‘ bilden wir solche Multiplikatoren aus.“

Im Galeriegang können die Teilnehmenden sich an Stellwänden über weitere Praxisbeispiele gelingender Zusammenarbeit zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen informieren. Sie reichen von Angeboten wie „Gemeinsam Sprache lernen“ für Mütter mit Fluchterfahrung und ihre Kleinkinder über Schulprojekte wie „Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule“ bis hin zu einer Eltern-AG für den Übergang von der Schule in den Beruf. 

Ebenso zielgruppenspezifisch aufbereitet sind drei Workshops, zu denen die Gastgeber im Anschluss einladen: es geht um Eltern als Bildungspartner – mal in der frühkindlichen Bildung, mal in der Schule, mal im Übergang von der Schule in den Beruf. Der vierte Workshop – „Zugänge zu Eltern strategisch planen und differenziert gestalten“ – ist institutionsübergreifend angelegt.  
 

PROGRAMM

12:00–12:30 UHR
Ankommen, gemeinsames Mittagessen und Galeriegang „Gute Zusammenarbeit in der  Praxis“

12:30–13:30 UHR
Begrüßung durch Dr. Oliver Döhrmann, RuhrFutur

„Eltern als Bildungspartner: Chancen, Qualitätsmerkmale, Möglichkeiten“ (Arbeitstitel)
Prof. Dr. Anne Sliwka (Institut für Bildungswissenschaft, Universität Heidelberg)

13:30–13.45 UHR
Das „Who is Who“ der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft: Verschiedene Perspektiven der Teilnehmer*innen auf die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen

13:30–13.45 UHR
Das „Who is Who“ der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft: Verschiedene Perspektiven der Teilnehmer*innen auf die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen

13:45–14:15 UHR
Kaffeepause und Galeriegang „Gute Zusammenarbeit in der  Praxis“

14:15–16:15 UHR
Parallele Themenforen:
„Eltern als Bildungspartner in der frühkindlichen Bildung“
„Eltern als Bildungspartner in der Schule“
„Eltern als Bildungspartner im Übergang von der Schule in den Beruf“
„Zugänge zu Eltern strategisch planen und differenziert gestalten“

16:00–16:15 UHR
Gemeinsamer Abschluss

16:15–16:30 UHR
„Partnerschaft poetisch“: Die Diskussion des Fachtags als Gedicht
Theresa Hahl (Poetic Recording Bochum), angefragt

Moderation: Anke Bruns (WDR)

Detaillierte Informationen zum Programm und den Themenforen finden Sie hier.

ANMELDUNG

Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserem Fachtag. Leider ist unsere Veranstaltung ausgebucht und auch unsere Warteliste ist voll. Eine umfassene Dokumentation zu unserem Fachtag finden Sie aber demnächst auf unserer Website.